Zum Inhalt springen

Odoo 19 Cross‑Docking konfigurieren: Das vollständige How‑to

Wareneingang direkt zum Versand: So minimieren Sie Lagerkosten und beschleunigen Ihre Lieferzeiten mit Odoo 19 Cross-Docking.
4. Februar 2026 durch
Odoo 19 Cross‑Docking konfigurieren: Das vollständige How‑to
Mert

Cross‑Docking ist ideal, wenn Ware nur kurz durch dein Lager fließt und direkt an den Kunden weitergeht. Statt Lagerbestand aufzubauen, wird die Lieferung im Cross‑Dock‑Bereich umgeschlagen und sofort weiter versendet. Dieses How‑to erklärt Schritt für Schritt, wie du Cross‑Docking in Odoo konfigurierst – ohne Code, mit klaren Menüpunkten und einem praxistauglichen Ablauf.

Wichtig: Odoo 19 ist in der Inventar‑Konfiguration sehr nah an Odoo 18/17. Die Schritte in diesem Beitrag orientieren sich an der offiziellen Odoo‑Dokumentation und lassen sich in Odoo 19 in der Praxis genauso umsetzen. Kleinere Menü‑Abweichungen sind möglich.

1) Was Cross‑Docking in Odoo bedeutet

Cross‑Docking ist ein Prozess, bei dem eingehende Ware nicht in den Bestand gebucht wird. Stattdessen wird sie in einer Input‑Zone entladen, kurz umgeschlagen (z. B. sortiert, gebündelt, umgepackt) und direkt in eine Output‑Zone gebracht, von der aus sie an den Kunden versendet wird. Odoo bildet diesen Ablauf über mehrstufige Wareneingänge und Warenausgänge sowie über eine spezielle Cross‑Dock‑Route ab.

Kernidee:

  • Keine Einlagerung in Stock
  • Input → Output statt Input → Stock → Output
  • Direkter Versand nach minimaler Bearbeitung

Cross‑Docking eignet sich besonders, wenn du schnelle Durchlaufzeiten brauchst und Lagerkosten reduzieren willst – etwa bei standardisierten Artikeln mit hohem Umschlag.

2) Wann Cross‑Docking sinnvoll ist (und wann nicht)

Sinnvoll, wenn

  • du Ware nur kurz hältst und schnell weiter versendest,
  • Produkte standardisiert und gut planbar sind,
  • die Lieferzeit des Lieferanten zuverlässig ist,
  • du Ware bündeln oder kontrollieren musst, bevor sie zum Kunden geht.

Nicht ideal, wenn

  • häufige Teillieferungen nötig sind,
  • Lieferanten unzuverlässig sind,
  • du stark schwankende Nachfrage hast,
  • du komplexe Kommissionierung oder Serien/Chargen‑Aufteilung im Lager brauchst.

Cross‑Docking ist kein „Default‑Prozess“. Definiere klar, welche Artikel cross‑dockfähig sind, und welche lieber klassisch eingelagert werden.

3) Voraussetzungen in Odoo

Bevor du Cross‑Docking aktivierst, solltest du sicherstellen:

  1. Die Inventory‑App ist installiert.
  2. Multi‑Step Routes sind aktivierbar.
  3. Das Warehouse ist so konfiguriert, dass Incoming und Outgoing in 2 Schritten ablaufen.

Diese Punkte sind die Basis. Ohne sie wird die Cross‑Dock‑Route nicht erstellt.

4) Multi‑Step Routes aktivieren

  1. Öffne Inventory → Configuration → Settings.
  2. Aktiviere Multi‑Step Routes.
  3. Speichern.

Hinweis: Mit Multi‑Step Routes aktiviert Odoo automatisch auch Storage Locations. Das ist wichtig, weil Cross‑Docking mit Input/Output‑Zonen arbeitet.

5) Wareneingang und Warenausgang auf 2 Schritte setzen

Cross‑Docking setzt voraus, dass sowohl Incoming als auch Outgoing in 2 Steps laufen.

  1. Öffne Inventory → Configuration → Warehouses.
  2. Wähle dein Lager.
  3. Setze Incoming Shipments auf Receive goods in input and then stock (2 steps).
  4. Setze Outgoing Shipments auf Send goods in output and then deliver (2 steps).
  5. Speichern.

Nach dem Speichern erzeugt Odoo automatisch eine Cross‑Dock‑Route. Du findest sie unter:

Inventory → Configuration → Routes

Zusätzlich legt Odoo eine Input‑Location und eine Output‑Location an. Standardmäßig heißen sie WH/Input und WH/Output. Du kannst sie unter Inventory → Configuration → Locations umbenennen, wenn ihr interne Begriffe nutzen wollt.

Tipp: In Odoo können Incoming und Outgoing grundsätzlich unterschiedlich viele Schritte haben. Für Cross‑Docking empfiehlt die Doku jedoch 2 Schritte für beide Richtungen.

6) Produkte für Cross‑Docking konfigurieren

Die Cross‑Dock‑Route wird nicht global auf alle Produkte angewendet. Du musst sie pro Produkt setzen.

Schritt 1: Produkt öffnen

  1. Öffne Sales → Products.
  2. Wähle ein Produkt oder erstelle ein neues.

Schritt 2: Routen setzen

  1. Wechsle in den Reiter Inventory.
  2. Aktiviere die Route Cross‑Dock.
  3. Wenn die Beschaffung automatisch über Einkauf laufen soll, aktiviere zusätzlich die Route Buy.

Warum Buy? Odoo löst den Einkauf über eine Beschaffungsregel aus. Ohne Buy‑Route entsteht keine automatische RFQ/PO.

Schritt 3: Lieferant hinterlegen

  1. Wechsel in den Reiter Purchase.
  2. Hinterlege mindestens einen Vendor.
  3. Pflege den Einkaufspreis.

Ohne Vendor erzeugt Odoo keine RFQ bzw. keinen PO.

Schritt 4: Vendor‑Reihenfolge prüfen

Wenn mehrere Lieferanten gepflegt sind, nutzt Odoo den obersten Lieferanten als Standard. Die Reihenfolge ist daher eine echte Priorisierung.

7) Der Standard‑Ablauf in der Praxis

Sobald die Produktkonfiguration steht, läuft der Cross‑Dock‑Prozess so:

  1. Du erstellst eine Sales Order mit einem Cross‑Dock‑Produkt.
  2. Odoo erstellt automatisch eine RFQ beim Lieferanten.
  3. Nach Bestätigung entsteht eine Purchase Order.
  4. Odoo erzeugt zwei Transfers, die mit der Sales Order verknüpft sind.
  5. Der erste Transfer ist Input → Output (interner Transfer im Cross‑Dock‑Bereich).
  6. Der zweite Transfer ist Output → Customer (Lieferung an den Kunden).
  7. Beide Transfers starten in Waiting Another Operation, weil die Ware noch nicht eingegangen ist.
  8. Sobald der Lieferant liefert, validierst du den Wareneingang in der Input‑Location.
  9. Danach validierst du den internen Transfer Input → Output.
  10. Abschließend validierst du die Lieferung an den Kunden.

Das Ergebnis: Die Ware berührt kein Lager‑Stock, ist aber vollständig dokumentiert und nachvollziehbar.

8) Was du im System sehen solltest

Ein korrekt laufender Cross‑Dock‑Flow erzeugt:

  • eine Purchase Order, die durch den Verkauf ausgelöst wurde,
  • einen internen Transfer von Input nach Output,
  • eine Delivery Order von Output zum Kunden.

Solange der Einkauf nicht bestätigt bzw. der Eingang nicht gebucht ist, bleiben die Transfers im Status Waiting. Sobald der Eingang bestätigt ist, wechseln sie auf Ready.

9) Cross‑Docking vs. Dropshipping

Diese beiden Konzepte werden oft verwechselt:

  • Dropshipping: Ware geht direkt vom Lieferanten zum Kunden. Keine interne Bewegung.
  • Cross‑Docking: Ware geht kurz durch dein Lager (Input/Output), aber ohne Einlagerung.

Cross‑Docking ist sinnvoll, wenn du Ware bündeln, umpacken oder kontrollieren musst. Dropshipping ist sinnvoll, wenn du komplett ohne Lagerbewegung arbeiten willst.

10) Multi‑Warehouse‑Hinweis

Wenn ihr mehrere Lager mit unterschiedlichen Schritt‑Konfigurationen habt, prüfe bei der Purchase Order, ob das richtige Ziel (Receipts‑Location des Cross‑Dock‑Warehouses) gesetzt ist. Sonst kann Odoo den Eingang in das falsche Lager buchen.

11) Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

  1. Multi‑Step Routes nicht aktiv → Cross‑Dock‑Route erscheint nicht.
  2. Incoming/Outgoing nicht auf 2 Steps → Route wird nicht korrekt angelegt.
  3. Buy‑Route vergessen → Odoo erzeugt keine automatische Beschaffung.
  4. Vendor fehlt → Keine RFQ/PO.
  5. Falsche Produkte → Cross‑Docking ist nicht für jedes Produkt sinnvoll.

12) Hinweis zur Bewertung (Costing)

Da die Ware nicht in dein Lager eingeht, kann die Bestandsbewertung anders aussehen als bei klassischer Lagerhaltung. Prüfe früh, wie du Cross‑Dock‑Kosten, Margen und Einkaufspreise in deiner Auswertung abbildest.

13) Go‑Live‑Checkliste

  1. Multi‑Step Routes aktiviert.
  2. Incoming & Outgoing auf 2 Schritte gesetzt.
  3. Cross‑Dock‑Route vorhanden.
  4. Produkt hat Buy + Cross‑Dock Route.
  5. Vendor gepflegt.
  6. Test‑Sales‑Order erzeugt RFQ + PO.
  7. Transfers werden korrekt erzeugt (Input → Output → Customer).

14) Best Practices für einen stabilen Betrieb

1. Cross‑Dock‑Produkte bewusst wählen

Nicht jedes Produkt eignet sich. Cross‑Docking passt besonders zu Artikeln mit stabiler Nachfrage und planbaren Lieferzeiten.

2. Lieferzeiten sauber kommunizieren

Cross‑Docking hängt stark vom Lieferanten ab. Kommuniziere realistische Lieferzeiten im Verkauf.

3. Rollen definieren

Bestimme, wer Eingänge validiert, wer interne Transfers bestätigt und wer die Lieferung abschließt.

4. Ausnahmefälle planen

Was passiert bei Teillieferung, beschädigter Ware oder Lieferverzug? Plane diese Fälle vor dem Go‑Live.

15) Praxis‑Test (empfohlener Ablauf)

Wenn du das Setup prüfen willst, nutze diesen Test:

  1. Lege ein Testprodukt mit Buy + Cross‑Dock an.
  2. Pflege einen Vendor.
  3. Erstelle eine Test‑Sales‑Order.
  4. Prüfe, ob automatisch eine RFQ entstanden ist.
  5. Bestätige die RFQ zur PO.
  6. Buche den Wareneingang in WH/Input.
  7. Validere den internen Transfer Input → Output.
  8. Validere die Lieferung an den Kunden.

Wenn alle Schritte sauber durchlaufen, ist dein Cross‑Dock‑Setup korrekt.

16) Kurzfassung für dein Team (60 Sekunden)

  1. Multi‑Step Routes aktivieren.
  2. Incoming & Outgoing auf 2 Schritte setzen.
  3. Cross‑Dock‑Route prüfen.
  4. Produkt mit Buy + Cross‑Dock konfigurieren.
  5. Vendor hinterlegen.
  6. Test‑Sales‑Order auslösen.
  7. Eingang validieren → Input → Output transferieren → Lieferung validieren.

Wenn diese Schritte funktionieren, ist dein Cross‑Dock‑Setup stabil.

17) Kurzes FAQ

Brauche ich Cross‑Docking für alle Produkte?

Nein. Lege klare Regeln fest und aktiviere die Route nur für passende Produkte.

Kann ich Cross‑Docking und klassische Einlagerung kombinieren?

Ja. Cross‑Docking ist pro Produkt route‑basiert, daher können beide Prozesse parallel laufen.

Muss ich meine Locations umbenennen?

Nein. Du kannst es tun, wenn ihr interne Begriffe nutzt, aber funktional ist es nicht nötig.

Warum stehen Transfers auf „Waiting Another Operation“?

Weil Odoo erst den Wareneingang erwartet. Nach dem Eingang werden die Transfers „Ready“.

18) Route und Operation Types verstehen (ohne Technik)

Wenn Cross‑Docking aktiviert ist, erzeugt Odoo automatisch eine Cross‑Dock‑Route. Du kannst sie unter Inventory → Configuration → Routes einsehen. Dort siehst du, welche Regeln und Operation‑Typen Odoo verwendet, um den Warenfluss abzubilden. In der Regel musst du diese Regeln nicht anfassen. Für die meisten Unternehmen ist es sogar besser, die Standardlogik nicht zu ändern, damit Updates und Standardprozesse stabil bleiben.

Neben der Route kannst du unter Inventory → Configuration → Operation Types sehen, welche Prozesse im Lager existieren, z. B. ReceiptsInternal Transfers und Delivery Orders. Für Cross‑Docking sind besonders drei Operationen relevant:

  • Wareneingang in Input
  • Interner Transfer Input → Output
  • Lieferung Output → Kunde

Wenn du möchtest, kannst du die Namen dieser Operation‑Typen an eure internen Begriffe anpassen, z. B. „Cross‑Dock Eingang“ oder „Cross‑Dock Transfer“. Funktional ist das nicht nötig, kann aber die Akzeptanz im Lager steigern.

19) Statuslogik verstehen (Waiting, Ready, Done)

Ein häufiger Stolperstein ist die Statuslogik der Transfers. Odoo arbeitet strikt nach Abhängigkeiten:

  • Waiting Another Operation bedeutet: Eine vorgelagerte Bewegung ist noch nicht erledigt.
  • Ready bedeutet: Der Schritt kann jetzt durchgeführt werden.
  • Done bedeutet: Der Schritt ist abgeschlossen.

Im Cross‑Dock‑Flow ist der Wareneingang der erste Trigger. Solange der Lieferant nicht geliefert hat und der Eingang nicht validiert wurde, bleiben interne Transfers und Lieferungen auf „Waiting“. Sobald der Eingang gebucht ist, springt der interne Transfer auf „Ready“ und danach die Lieferung.

Diese Logik ist bewusst so aufgebaut, damit das System keine Ware ausliefert, die physisch noch nicht angekommen ist.

20) Reporting & Kennzahlen: Was du messen solltest

Cross‑Docking ist nur dann ein Erfolg, wenn die Durchlaufzeit wirklich sinkt. Es lohnt sich, schon in der Anfangsphase einige Kennzahlen zu beobachten:

  • Durchlaufzeit vom Wareneingang bis zur Lieferung
  • Lieferzuverlässigkeit des Lieferanten
  • Anteil Cross‑Dock am Gesamtvolumen
  • Fehlerquote bei Transfers (z. B. zurückgestellte oder abgebrochene Schritte)

Diese KPIs helfen dir zu erkennen, ob Cross‑Docking tatsächlich effizienter ist als klassische Lagerhaltung – und wo du Prozesse nachschärfen musst.

21) Umgang mit Ausnahmen und Rücksendungen

Cross‑Docking reduziert Lagerbestand, erhöht aber die Abhängigkeit vom Lieferanten. Deshalb solltest du klare Regeln für Ausnahmen festlegen:

  • Teillieferungen: Entscheide, ob du Teilmengen weiter versendest oder wartest.
  • Beschädigte Ware: Definiere, wer die Ware prüft und wie Rücksendungen abgewickelt werden.
  • Lieferverzug: Lege fest, wie Vertrieb und Kundenservice informiert werden.

Odoo unterstützt solche Prozesse über Standard‑Transfers und Rücklieferungen. Entscheidend ist, dass die organisatorischen Regeln vor dem Go‑Live definiert sind.

22) Praxisbeispiel mit Zeitachse

Ein kleines Beispiel hilft, den Ablauf zu verankern. Angenommen, ein Kunde bestellt um 09:00 Uhr ein Produkt, das per Cross‑Dock läuft, und der Lieferant liefert noch am selben Tag.

  1. 09:00: Sales Order wird bestätigt.
  2. 09:01: Odoo erzeugt die RFQ, nach Bestätigung entsteht die Purchase Order.
  3. 14:00: Lieferung trifft ein und wird im WH/Input validiert.
  4. 14:05: Interner Transfer Input → Output wird durchgeführt.
  5. 14:15: Lieferung Output → Kunde wird validiert.

Das Ergebnis: Der Artikel war nie im Lagerbestand, aber der komplette Dokumentenfluss ist nachvollziehbar und geprüft. Genau diesen Effekt willst du mit Cross‑Docking erreichen.

23) Stammdaten‑Check vor dem Go‑Live

Ein sauberer Cross‑Dock‑Prozess steht und fällt mit korrekten Stammdaten. Prüfe vor dem Start:

  • Produkt‑Routen: Nur Cross‑Dock‑Artikel haben Buy + Cross‑Dock aktiviert.
  • Vendor‑Daten: Lieferant, Einkaufspreise, Lieferzeiten gepflegt.
  • Lagerorte: Input/Output‑Locations korrekt benannt und klar kommuniziert.
  • Operation Types: Eingänge, interne Transfers und Lieferungen eindeutig.

Wenn die Stammdaten stimmen, reduziert sich der operative Aufwand drastisch.

Fazit

Cross‑Docking in Odoo 19 ist kein komplexes Projekt – wenn du die richtigen Schalter setzt. Die Kernlogik liegt in Multi‑Step Routes, 2‑Step‑Wareneingang/-ausgang und sauber gepflegten Produkten. Sobald das steht, sorgt Odoo automatisch für einen klaren, schnellen Warenfluss vom Lieferanten über die Cross‑Dock‑Zone bis zum Kunden.

Wenn du willst, passe ich die Anleitung an eure konkrete Lagerstruktur oder eure Produktkategorien an.

Odoo 19 Cross‑Docking konfigurieren: Das vollständige How‑to
Mert 4. Februar 2026
Diesen Beitrag teilen
Archiv